Weggefährten – Ein Rückblick auf drei Jahre Schwarze Kiste

Geschrieben von:

Menschen sind unterschiedlich. Das ist eine Weisheit, die wohl bekannt ist wie die Tatsache, dass Wasser nass ist. In einem Unternehmen, das man auf der grünen Wiese mit viel Leidenschaft und Enthusiasmus entwickelt, lernt man, dass nicht jeder Mensch gleich tickt.

Man ignoriert das lange. Man will es auch nicht wahr haben. Denn zu Beginn eines Startups erlebt man so viele Momente, die zusammenschweißen. Da wird die Versuchung groß zu denken, alle könnten dabei dieselben Empfindungen haben, den identischen Weg gehen wollen. Ich hoffte das lange Zeit. Doch man irrt. Jeder empfindet anders, auch wenn er dieselbe Situation erlebt. Andere Werte. Andere Standpunkte. Anders eben. Brutal anders.

Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Da überrascht es einen mehr, auf seiner Reise Weggefährten zu treffen, die anders ticken, aber identische Ideale haben. Man gleicht sich wie zweieiige Zwillinge – auf den ersten Blick gar nicht. Doch irgendwie merkt man, dass dieselben Gene vorhanden sind.

Nur mit Eigenmotivation gelingt ein Startup

Ohne solche Menschen ein Startup am Leben zu halten ist unmöglich. Ihnen verdankt man die Kraft, jeden Tag wieder aufzustehen und gegen all die Probleme und Risiken unermüdlich anzukämpfen. Diese Menschen werden zu einer Bewegung. Sie verbünden sich – ob bewusst oder unbewusst. Diese Bewegung anzuführen erfüllt einen mit Stolz.

Das Problem ist: Menschen, die einen den Glauben nicht verlieren lassen, sterben aus. Vielleicht gab es noch nie mehr. Dennoch sind sie so rar wie der Sibirische Tiger in freier Wildbahn. Je länger man als Unternehmer tätig ist, umso mehr glaubt man das letzte Einhorn zu sehen, wenn einem ein echter Idealist und kein Opportunist begegnet. Wenn die Worte, die der Mensch formuliert, nicht leere Hülsen sind, sondern mit Tatkraft und Beständigkeit untermauert werden. Wenn der Mensch tatsächlich eigenmotiviert im Sinne des Unternehmens handelt.

Ich habe das Glück, etliche dieser altruistischen Menschen um mich zu haben. Ansonsten gäbe es die Schwarze Kiste schon lange nicht mehr. Und noch besser ist: Es werden immer mehr Menschen. Sie zeigen bedingungslose Leidenschaft; auch wenn nicht klar definiert ist, ob ein adäquater Gegenwert möglich wird. Und das erstaunlichste ist: Es sind nicht nur Menschen, mit denen ich arbeite bzw. die für mich arbeiten. Viele Menschen wurden selbstlos über die Jahre ein Teil der Schwarzen Kiste, obwohl sie für sich keinen offensichtlichen Mehrwert daraus erhoffen können.

Der Mensch ist auf seinen eigenen Vorteil konditioniert

Altruismus ist jedoch leider die Ausnahme. Natürlich ist das verständlich. Schaut man hinaus in die Welt, ist klar, dass der Mensch anders konditioniert ist. Denn viele Menschen, denen man im Laufe der Jahre begegnet, hegen ganz andere Pläne. Sie wollen sich selbst bereichern. Sie stellen sich selbst über alles; und versuchen, das System in ihrem Sinne zu untergraben. Sie handeln opportunistisch und ziehen mit all den leeren Versprechungen weiter, sobald ihre Machenschaften aufgeflogen sind. Den Fehler suchen sie selbstverständlich immer bei den anderen. Sie selbst sind über jeden Fehler zweifellos erhaben. Sie konstruieren sich selbst eine Welt, in der dies richtig sein mag. Die Realität sieht leider etwas anders aus.

Das Traurige daran ist nicht, dass diese Menschen in einer völligen Desorientierung leben. Das Traurige ist, dass sie mit ihren Machenschaften wie ein Krebsgeschwür einen ganzen Organismus zerstören können. Sie treiben unter Umständen mit ihrer zerstörerischen nur auf ihren Vorteil bedachten Art das gesamte System an den Rand eines Kollapses. Sie handeln manipulativ. Sie sind keine guten Menschen, auch wenn sie sich täglich so darstellen, als würden sie alles für das Wohlergehen des Systems tun. Sie tun es nicht. Sie freuen sich insgeheim, wenn es scheitert. Denn selbst bekommen solche Menschen für gewöhnlich nichts auf die Reihe, sondern ziehen lieber die Energie von anderen ab.

Energievampire schaden dem System

Im Laufe der Jahre versteht man, mit solchen Menschen umzugehen. Man schaltet die Energievampire, wie sie der Blogger und Autor Chris Guillebeau in seinem Buch „Die Kunst anders zu leben“ nennt, gnadenlos aus. Man schützt damit das System. Man schützt damit die Menschen, die auf altruistische Weise das System stärken.

Denn es kommt nicht auf Menschen an, die mehr damit beschäftigt sind, große Reden zu schwingen, was sie alles für einen gemacht haben und wie toll sie sind und wie sie hinter einem stehen. Menschen, die selbstlos an einem Projekt arbeiten, das eventuell am Anfang für sie in diesem Verhältnis, was sie geben, keinen Gegenwert darstellt, reden nicht darüber, was sie alles können und was sie alles gemacht haben. Sie haben keine Zeit dazu. Denn sie tun! Sie handeln – nicht für sich, sondern für das Wohlergehen des Systems.

Diese Menschen sind loyal. Geld ist für sie nebensächlich. Sie wollen einfach ihren Weg gehen; und das meist eine ganze Zeit mit einem zusammen. Wenn sie weiterziehen müssen, merkt man das auch. Sie gehen nicht im Zorn. Sie gehen, weil die gemeinsame Reise beendet ist; und das ist nicht schlimm, denn man weiß, dass sie immer den Respekt wahren und ungeschriebene Gesetze des Vertrauens niemals brechen werden.

In der Ruhe liegt die Kraft

In den letzten Jahren dufte ich einige dieser Menschen kennen lernen, die etwas mehr vom Großen und Ganzen des Lebens verstehen. Diese Menschen haben oft eine turbulente Vergangenheit. Sie haben gelebt und bringen Reife bzw. Lebenserfahrung mit – und noch wichtiger Ruhe! Sie können Dinge aussitzen, weil sie Geduld haben und weiter als bis morgen denken. Ich durfte viel Zeit mit ihnen verbringen und lernen, worauf es im Leben ankommt. Diese Menschen sehen über den Tellerrand hinaus und begreifen wie ein Startup funktioniert. Sie sehen nicht nur; sie nehmen wahr!

Viele Menschen glauben, ein Unternehmen entwickelt sich schnell. Doch wie viele Jahre es dauert, bis ein Organismus wächst, ist eventuell vergleichbar mit dem Wachstum eines Kindes. Jahre dauert es, bis sich ein Kind selbst versorgen kann, bis es heranwächst, bis es auf eigenen Beinen stehen kann. So ähnlich verhält es sich mit einem Startup (egal ob es selbst- oder fremdfinanziert wird). Die Entwicklungsprozesse sind nicht abzuändern. Man braucht Zeit – und Geduld.

Man muss immer am Ball bleiben, jeden Tag; man muss besonnen arbeitet, ohne stets im Drama zu enden. Das ist der bittere Weg des Unternehmers – ohne Mitleid bekommen zu wollen. Es ist der Weg, den man aus freien Stücken eingeschlagen hat. Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die man auf seiner Reise trifft, die selbst den Traum von der eigenen Gestaltung ihres Lebens haben. Allein aus diesem Grund ist es schön, Unternehmer zu sein, denn man hat die Möglichkeit, viele dieser gleichgesinnten Menschen irgendwann in seinem Leben Freunde nennen zu dürfen. Auf ein schönes und erfolgreiches Jahr 2016.

0

Über den Autor:

Sebastian Hrabak ist Gründer und Kopf der Schwarzen Kiste. Der 33-jährige fand nach seinem Abschluss als Sportwissenschaftler an der Universität Augsburg und einem Volontariat auf der Günter-Holland-Journalistenschule der Augsburger Allgemeinen seine wahre Passion: das Kaffeemachen. Seither unterhält der Chef der Schwarzen Kiste auf seiner Homepage mit Texten über das Geschehen in seinen Läden, interessanten Themen, auf die er zufällig stößt oder Ärgernisse, die ihm in seinem Business oder im Alltag widerfahren...

Schreibe einen Kommentar